02.12.2020 - Corona-Hilfen für Rentner sollten verlängert werden.

„Corona-Hilfen für Rentner sollten verlängert werden.“

Bundesverband der Rentenberater plädiert für die Ausweitung des Sozialschutzpakets.

Für dieses Jahr gilt: Wer eine vorgezogene Altersrente bezieht und weiterarbeitet, kann in 2020 bis zu 44.590 Euro dazu verdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird. Davon können alle Rentner profitieren, die vor Corona nur 6.300 Euro dazuverdienen durften.

Die Neuregelung, die zunächst bis zum 31. Dezember 2020 befristet ist, sollte vor allem dort Anreize setzen, wo dringend Arbeitskräfte gebraucht werden.

Diese Regelung hatte der Bundesverband der Rentenberater e.V. ausdrücklich unterstützt, zumal sich – durch weiter geleistete Beiträge – auch die laufende Altersrente später erhöht.

„Aktuell müssen wir wohl davon ausgehen, dass uns die Pandemie mit all ihren Folgen noch eine Weile begleitet.“, sagt Anke Voss, die Präsidentin des Bundesverbandes der Rentenberater e.V. „Deswegen plädieren wir unbedingt dafür, dass die verbesserten Hinzuverdienstmöglichkeiten für Flexi-Rentner auf 2021 ausgeweitet werden.“, betont Voss.

„Eine Verlängerung wäre jetzt das richtige Signal!“

Auf unbestimmte Zeit werden viele Menschen weiter Kurzarbeitergeld beziehen müssen und damit weniger Geld in der Tasche haben.

„Für ältere Arbeitnehmer könnte es sinnvoll sein, eine vorgezogene Teil-Rente zu beantragen. Auf diese Weise könnten sie den Verdienstausfall ausgleichen.“

Und nicht nur Neu-Rentner profitieren von der Regelung. Auch wer schon eine abschlagsfreie Rente bezieht, könnte nun weiter oder wieder arbeiten, da die Rente bis zur Einkommensgrenze von 44.590 Euro unberührt bliebe.

Positiver Nebeneffekt: Da weiter Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt werden, gibt es später auch mehr Rente. Mit Erreichen der Regelaltersgrenze wird die Rente neu berechnet und erhöht sich entsprechend.

Vor den Corona-Hilfen war das für langjährig Versicherte nicht attraktiv, weil das erzielte Einkommen über 6.300,- Euro die Rente anteilig reduziert hat. Durch die Regelungen des Sozialschutzpakets bleibt die Rente bis zur Hinzuverdienstgrenze von 44.590 Euro unberührt.

Allerdings soll diese Regelung am 31. Dezember 2020 enden und bislang ist von der Bundesregierung über eine Verlängerung nicht entschieden worden.

„Dieses sinnvolle Instrument sollte jetzt unbedingt verlängert werden, weil es sowohl für den Einzelnen als auch für Unternehmen wirtschaftliche Anreize setzt, die zur Abfederung der Krise führen können.“, sagt Voss.

„Gerade im Gesundheitsbereich oder in der Bildung könnte so qualifiziertes Personal zurückgewonnen werden.“, verdeutlicht Voss.


Wichtig: Den Vorgang unbedingt von einem Rentenberater prüfen lassen

Die Kombination Rente plus Einkommen kann sich im Einzelfall aber auch negativ auswirken, z.B. wenn Versicherte Krankengeld oder eine Betriebsrente beziehen. Sogar die oben beschriebenen positiven Effekte beim Kurzarbeitergeld könnten sich umkehren.

Der Bundesverband der Rentenberater e.V. hatte bereits in seiner Stellungnahme zum Sozialschutzpaket gefordert, dass negative Konsequenzen auf jeden Fall ausgeschlossen werden müssen.

„Wir würden uns wünschen, dass der Gesetzgeber nun bei einer Verlängerung die Chance nutzt, sicherzustellen, dass die Regelung nur zu Gunsten der Versicherten wirkt.“, sagt Voss.

Ob sich die Neuregelung nun im Einzelfall tatsächlich positiv auswirkt, sollten Versicherte also unbedingt von registrierten Rentenberatern prüfen lassen.

03.11.2020 - Neuer Mindestlohn: Im Alter reicht es trotzdem nicht!

Im Alter reicht es trotzdem nicht!

Der Bundesverband der Rentenberater e.V. erklärt, wie sich der neue Mindestlohn-Stufenplan auf die Rente auswirkt.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat vor wenigen Tagen einen neuen Stufenplan für den Mindestlohn vorgelegt. Demnach steigt der gesetzliche Mindestlohn innerhalb von zwei Jahren in vier Schritten auf 10,45 Euro.

„Wenn der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn angehoben wird, ist das auf jeden Fall ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“, sagt Anke Voss, die Präsidentin des Bundesverbandes der Rentenberater e.V.

„Aber für eine armutsfeste Rente reicht es leider noch nicht. Das Einzige, was wirklich eine auskömmliche Rente garantiert, sind Löhne, mit denen auch entsprechende Beiträge finanziert werden können.“, fügt Voss hinzu.

Wie aber wirken sich die einzelnen Schritte konkret aus? Der Bundesverband der Rentenberater e.V. hat dazu eine einfache Übersicht erstellt.


Aktueller Mindestlohn – 9,35 Euro

Mit dem aktuellen Mindestlohn bekäme man eine Rente in Höhe von knapp 740 Euro – wenn man im Arbeitsleben durchgehend beschäftigt war und dann nach 45 Jahren in Rente geht.

„Es ist offensichtlich, dass davon niemand leben kann.“, betont Voss. „Betroffene wären also auf die Grundsicherung angewiesen. Dazu kommt, dass bei solchen Einkommen die ergänzende Vorsorge ja auch auf der Strecke bleiben wird.“


Neuer Mindestlohn – 10,45 Euro

Mit dem neuen Mindestlohn ergäbe sich immerhin eine Rente von knapp 825 Euro. Auch hier müssten Betroffene wohl Grundsicherung beantragen.

„Die Rente muss gegebenenfalls noch versteuert werden und Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden auch abgezogen. Von einer ‚auskömmlichen Rente‘ kann wohl weiterhin keine Rede sein.“, erläutert Voss.

Erst bei einem Mindestlohn von 12 Euro würde sich die Rente mit ca. 950 Euro über der Grundsicherung bewegen.

„Das Problem ist, dass wir hier sozusagen mit (idealen) Durchschnittsbedingungen gerechnet haben – also nach 45 Jahren ununterbrochener Beschäftigung. Außerdem müsste sich der Mindestlohn über alle 45 Jahre genauso fortentwickeln, wie das Durchschnittsentgelt aller Rentenversicherten.“

„Lebensläufe folgen aber keinen Durchschnittsparametern. Da gibt es Phasen ohne Arbeitseinkommen, oder – wie aktuell wegen Corona – Zeiten der Kurzarbeit.“, erklärt Voss.

Das alles wirkt sich auf die Höhe der Rente aus – manchmal vielleicht positiv, wenn man in einen besser bezahlten Job wechseln kann, sonst aber eher negativ.

Dazu kommt: Auf 45 Arbeitsjahre kommen Menschen in herausfordernden Berufen heute ohnehin immer seltener. Weder in der Pflege und der Kindererziehung, noch auf dem Bau, im Transportgewerbe oder vielen anderen Arbeitsfeldern halten Arbeitnehmer so lange durch. Die Folge: Niedrige Renten!

Fazit: Der Mindestlohn sorgt in der geplanten Form für eine verbesserte Alltagssituation so lange man Arbeit hat – als wirksames Mittel gegen Altersarmut ist er
nach Auffassung des Bundesverbandes der Rentenberater e.V. nicht geeignet.

„Von Niedriglöhnen kann niemand fürs Alter vorsorgen.“, verdeutlicht Präsidentin Voss. „Wer arbeitet, muss dafür Lohn bzw. Gehalt bekommen, von dem er leben und vorsorgen kann.“

Zwar hat die Bundesregierung mit der neu geschaffenen Grundrente ein Instrument entwickelt, das Niedrigstrenten mit Steuermitteln aufstockt. Sie ist trotzdem aufgefordert, weitere Anstrengungen im Kampf gegen Altersarmut zu unternehmen.

So könnte zum Beispiel die Rentenversicherung auch für Selbständige und Beamte verpflichtend geöffnet werden. Auch bei der betrieblichen Alters-
versorgung müssen die bestehenden Anreize besser vermittelt werden und Unternehmen unterstützt werden, die für den Ruhestand ihrer Beschäftigten
Verantwortung übernehmen.

16.08.2020 - Einladung zu den Rentenberatertagen 2020

EINLADUNG

Rentenberatertage 2020
17. und 18. September 2020, La Strada Tagungshotel, Kassel

Rentenexperten diskutieren in Kassel u.a. die Konsequenzen der Corona-Pandemie für die Rente

Am 17. und 18. September ist der Bundesverband der Rentenberater e.V. mit seiner Jahrestagung  zu   Gast  in   Kassel.   Rentenexperten  aus   ganz  Deutschland   treffen sich dieses Jahr in Hessen, um sich über aktuelle Themen der Alterssicherung auszutauschen.

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen haben auch uns Rentenberatern einige Fragen aufgegeben, die wir angeregt diskutieren wollen:
Mit welchen rentenrechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen müssen kommende Rentnergenerationen unter Umständen rechnen? Welche positiven Ansätze (Stichwort Hinzuverdienstgrenzen) lassen sich aus der Pandemie mitnehmen?

Auch mit der Grundrente werden wir uns wieder ausführlich beschäftigen. Start ist am 1. Januar, aber wann wird es die ersten Auszahlungen geben? Mitte 2021? Oder später?

Besonders freuen wir uns, dass auf der Tagung ein neues Tool vorgestellt wird, mit dem es   künftig   möglich   sein   soll,   alle   individuellen   Vorsorgebausteine   auf   einen   Blick zu erfassen. Vollständige Transparenz für die Altersabsicherung schon viele Jahre vor der Rente – das wäre ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Altersarmut. Denn so gewinnen Versicherte Zeit, um gegebenenfalls noch gegensteuern zu können.

Auf jeden Fall wollen wir die Gelegenheit nutzen, um mit Ihnen ins Gespräch zu kommen und laden Sie sehr herzlich zu Informationsgesprächen und Interviews ein.  Grundrente, Vorsorgeplanung und der Reformbedarf bei der Rente – das sind die Themen der Rentenberatertage 2020 in Kassel. Kommen Sie bitte gerne mit Ihren Themen und Fragen auf uns zu.

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung und Ihren Besuch im Tagungshotel La Strada in Kassel!

Ihre Anke Voss
Präsidentin des Bundesverbandes der Rentenberater e.V..

03.07.2020 - Die Grundrente kommt. Es wurde auch höchste Zeit!

Die Grundrente kommt. Es wurde auch höchste Zeit!

Der Bundesverband der Rentenberater e.V. begrüßt, dass die Bundesregierung die Grundrente noch vor der Sommerpause verabschiedet hat.

„Dass wir in Deutschland eine Grundrente bekommen, durch die Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, mehr bekommen als die Grundsicherung, war überfällig.“, sagt Anke Voss, die Präsidentin des Bundesverbandes der Rentenberater e.V.  

Besonders wichtig war nach Ansicht der Rentenexperten, dass die Grundrente nach jahrelanger Diskussion nun doch noch vor der Sommerpause verabschiedet wurde. Das sei ein starkes Signal in Richtung der Menschen, die bisher befürchten mussten, von ihrer Rente nicht leben zu können.

Positiv bewerten die Rentenexperten die Finanzierung über einen zusätzlichen Bundeszuschuss in Höhe von 1,4 Milliarden. So werden nicht nur die Beitragszahler belastet. Allerdings hätte man hier durch eine Erstattungsvorschrift des Bundes zielgerichtet sicherstellen sollen, dass die tatsächlichen Kosten einschließlich der Verwaltungskosten vom Bund vollständig getragen werden.

Ärgerlich findet die Präsidentin, dass für den Zugang zur Grundrente nun doch die Einkommenssteuerbescheide aus den letzten Berufsjahren herangezogen werden und nicht das ab Rentenbeginn zu erwartende Einkommen.

Bei einem Rentenbeginn im Jahr 2021 bedeutet das, dass zunächst nur die Einkommen aus den Jahren 2019 oder 2018 die Entscheidungsgrundlage für die Bewilligung der Grundrente bilden. Weil aber die letzten Berufsjahre häufig die einkommensstärkeren Jahre sind, kann sich der Bezug der Grundrente bei vielen Berechtigten um bis zu 3 Jahre verzögern.

Den Änderungsvorschlägen des Bundesverbandes der Rentenberater e.V. hatte sich auch der Bundesrat in seiner Stellungnahme zum Gesetzentwurf angeschlossen.

Auch werden Zeiten des Mutterschutzes und (in vertretbarem Maß) der Arbeitslosigkeit endgültig nicht als Grundrentenzeiten berücksichtigt. 

„Unserer Auffassung nach ist das eine unzulässige Benachteiligung dieser Personengruppen. Frauen im Mutterschutz dürfen ja gar nicht arbeiten. Aber für diese ‚Zwangspause‘ gibt es keine Anrechnung in der Grundrente. Das ist schlicht nicht fair.“, erläutert Voss.

Menschen, die schon jetzt zu niedrige Renten beziehen, sollten sich zudem im Klaren darüber sein, dass sie unter Umständen bis Ende 2022 auf ihre Grundrente warten müssen. Zunächst werden nämlich die Anträge von ‚Neu-Rentnern‘ mit Blick auf die Grundrente bearbeitet. Ansprüche von Bestandsrentnern sollen erst danach berücksichtigt werden.

„Die Deutsche Rentenversicherung rechnet aktuell mit einem Beginn für die Bestandsrentner ab dem 01.07.2021. Aber man darf gespannt sein, ob und wie sie das umsetzen werden. Zum einen gibt es die bekannten personellen Engpässe und für den automatisierten Datenabgleich mit dem Finanzamt gibt es bisher kein Verfahren, auf das sie aufsetzen können.“, erklärt Voss.

Offen bleiben auch wichtige Fragen des Datenschutzes, „so halten wir zum Beispiel den automatisierten Datenabgleich bei Ehepaaren oder eingetragenen Lebensgemeinschaften rechtlich für bedenklich.“, sagt Voss.

Fazit:
Das Gesetz zur Grundrente war längst überfällig und ist in seinen Eckpunkten gut für viele Menschen, die wegen zu geringer Einkommen keine auskömmliche Alterssicherung erwerben konnten. Ein umfassender Schutz vor Altersarmut ist die Grundrente nicht und es wird für viele Versicherte noch Klärungsbedarf geben.